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Samstag, 22. November 2008

Tomate ohne Krebsrisiko



In der Europäischen Union sollen bald keine besonders gefährlichen Pestizide mehr zugelassen werden. Die EU- Agrarminister konnten sich erst nach längerem Streit einigen - noch Anfang Mai hatte sich Landwirtschaftsminister Seehofer für eine industrienahe Position eingesetzt. Der Verband der Agrarindustrie sieht durch die Entscheidung die Zukunft der Lebensmittelproduktion gefährdet, Verbraucher- und Umweltschützer hingegen fordern weitere Schutzmaßnahmen.


Betroffen sind Wirkstoffe, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung schädigen können. "Die Entscheidung, diese gefährlichen und überflüssigen Wirkstoffe auf eine Schwarze Liste zu setzen, ist ein Schritt, den Greenpeace seit vielen Jahren fordert," erklärt Chemieexperte Manfred Krautter von Greenpeace.

"Die Agrarminister hätten aber auch Pestizide, die das Hormon-, Immun- oder das Nervensystem schädigen können, für die Lebensmittelproduktion ausschließen müssen. Das gleiche gilt für besonders umweltgefährdende Spritzmittel, die giftig für Bienen und Gewässerorganismen sind."

Krautter kritisiert auch eine fünfjährige Übergangsfrist. In dieser Zeit dürfen nicht mehr zulassungsfähige Wirkstoffe weiter eingesetzt werden, wenn keine Alternative zur Verfügung steht. "Landwirtschaftsminister Seehofer, der maßgeblich für diese Ausnahmeregelung gekämpft hat, hat mal wieder gezeigt, dass ihm Industrieinteressen wichtiger sind als Verbraucherschutz. Und das ohne Not, denn alternative Wirkstoffe sind ausreichend vorhanden."

"Dass Seehofer sich dann doch noch für ein Ende der krebs-, fortpflanzungs- und gentoxischen Pestizide eingesetzt hat, liegt sicher auch an dem breiten öffentlichen Protest gegen seine ursprüngliche Position."

Industrieverband beschwört Nahrungsmittelkrise

Viele Schädlinge und Krankheiten könnten bei einem Verbot kaum noch bekämpft werden, heißt es beim Verband der Pestizidindustrie IVA (Industrieverband Agrar). Das Gegenteil beweisen allerdings die erfolgreichen Pestizidreduktionsprogramme mehrerer europäischer Länder oder der ökologische Landbau, der ohne chemische Pestizide auskommt.

"Was Pestizide anrichten können, haben wir gerade in Baden-Württemberg und Bayern gesehen", so Krautter. "Es ist erwiesen, dass der Bayer-Wirkstoff Clothianidin für das Bienensterben in diesen Regionen verantwortlich ist." Wie wichtig Bienen für die Nahrungsmittelproduktion sind, wissen nicht nur Obstbauern. Die Erträge beim Raps zum Beispiel fallen ohne Bienenbestäubung um 50 Prozent. "Auch Vergiftungen bei Landarbeitern und oftmals gesundheitsgefährdende Pestizidbelastungen in Lebensmitteln werden durch die Agrargifte verursacht."

Wie weiter

Nun muss das EU-Parlament entscheiden. Dieses hatte aber bereits im Vorfeld weiterreichende Forderungen gestellt. So soll auch gegen Stoffe, die das Hormon-, Immun- sowie Nervensystem schädigen können, restriktiver vorgegangen werden und generell bei Zulassungen geprüft werden, ob es weniger gefährliche Alternativen gibt. Auch ein Pestizidpass steht auf der Forderungsliste des Parlaments, mit dem Landwirte ihre Kunden im Lebensmittelhandel über die eingesetzten Pestizide informieren sollen.

Von dem Zulassungsstopp wären laut PAN (Pestizid Aktions-Netzwerk) nur rund vier bis fünf Prozent der in der EU eingesetzten Pestizide betroffen. Und die Wirkstoffe seien in circa 22 Prozent der untersuchten Lebensmittel nachzuweisen.

Zum Weiterlesen:
Weitere Informationen zur Greenpeace-Position in Sachen Pestizidzulassung finden Sie hier: (PDF, Dateigröße: 1.1 MB)


 




Keine "Klimaunterschrift" für Vattenfall

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