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Freitag, 3. September 2010

FORUM

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01.11.2005 14:57 - 2806 mal gelesen
Müller-Boykott-Mail

poet

Eine schöne Geschichte über Herrn Müller

Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus
Aretsried, das
liegt in Bayern, also ganz im Süden.

Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken
von Herrn
Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen,
wenn ihr
im Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen
her, die
aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die
Milch her,
aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, daß sie
in den
Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, daß sogar
der Herr
Bohlen dafür Werbung gemacht hat.

Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er
unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er
sie in
Sachsen, das ist ganz im Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon
viel zu
viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte
produzieren, aber
der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine
Arbeitsplätze haben,
unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld.
Arbeitsplätze hat
man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat
der Herr
Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und
abgeschickt.

Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die
Herren von der
Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro
geschickt. 70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen,
also ganz
viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute
eingestellt. Hurra, Herr Müller.

Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele
Milchprodukte
hergestellt hat, hat er gemerkt, daß er sie gar nicht verkaufen
kann, denn
es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte.

Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewußt, auch die Herren
vom Land
Sachsen und der Europäischen Union haben das gewußt, es ist
nämlich kein
Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben.

Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber
so.

Also was hat er gemacht, der Herr Müller? In Niedersachsen, das
ist
ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik.
Die steht da
schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie
gekauft. Weil
er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr
Müller die
alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie
geschlossen
und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher
schon
gemerkt, daß der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen
hat, als
er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr
ruhig einen
Taschenrechner nehmen, dann wißt ihr, daß der Herr Müller für
jeden
vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand
hinsieht.
Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht
es ihm
geht.

Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch
dafür, daß
es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.

Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn
Müller
verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein,
das ist ein
halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine
Milch aber
in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch,
weil man
sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings
sind nur noch
400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr
Müller.
Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie
der Herr
Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann
muß ich euch
sagen, daß man so etwas einfach nicht tut.

Wenn ihr aber das nächste mal im Supermarkt seid, dann laßt doch
einfach
die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die
Sachen, die
daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens
billiger und
werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der
Begriff
"soziale Verantwortung" noch eine Bedeutung hat






Müller-Boykott-Mail
poet
01.11.2005
sehr hübsch
Istarun
22.01.2006
Müller-Boykott-Mail
bussard
23.03.2006
Müller-Boykott-Mail
Natsch
23.03.2006

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