Gentechnik: Risiko ohne Haftung
Reis, Papaya, Rapssaatgut und Fische - das ist die Bilanz für Deutschland. Weltweit wurden auch 2007 wieder illegale, gentechnisch verunreinigte Produkte auf den Märkten gefunden. Der neue Report von Greenpeace International und GeneWatch zeigt nicht nur, dass die Gentechnikindustrie ihre Designerprodukte nicht kontrollieren kann, sondern auch, dass sie ungestraft davonkommt.
Für Verbraucher in Deutschland war der Reisskandal aus dem Jahr 2006 spürbar. Die mit illegalem Gen-Reis von Bayer verunreinigten Reispackungen landeten sogar im Supermarkt. Bis heute reißt der Skandal nicht ab. In den Niederlanden protestiert Greenpeace heute, den 29. Februar 2008, wieder gegen Gen-Reis, der illegal im Hafen von Rotterdam liegt.
Und auch in Kenia hat Greenpeace gemeinsam mit lokalen Landwirtschafts- und Umweltorganisationen neue Kontaminationen veröffentlicht. Ein unabhängiges Labor fand im Maissaatgut den in Kenia nicht zugelassene Gen-Mais MON 810 von Monsanto.
Eine Frage der Haftung
Wer zahlt für Rückrufaktionen, Reinigungen von kontaminierten Anlagen oder Umsatzeinbußen der Landwirte? Bislang regelt kein internationales Recht, wer für Schäden durch Gen-Verunreinigungen aufkommt. "Zurzeit gilt das normale Haftungsrecht", sagt Jan van Aken, Gentechnikexperte von Greenpeace International. "Das heißt, dass einer Gentechnik-Firma nachgewiesen werden muss, dass sie für den konkreten Fall verantwortlich ist. Wie soll ein armer Bauer aus Kenia gegen einen finanzstarken Konzern gerichtlich ankommen?"
"Es gibt nur eine Lösung", so van Aken weiter. "Die Konzerne müssen zahlen! Und dafür brauchen wir globale Haftungsregeln, die im Biosafety Protokoll geregelt werden müssen." Im März treffen sich Regierungsvertreter, um in Cartagena, Kloumbien, im Rahmen des "Cartagena Protokolls über die biologische Sicherheit" Haftungsregeln zu verhandeln.
Schon jetzt ist klar, dass sich Industriestaaten wie die USA oder Japan gegen ein solches Abkommen aussprechen werden. Aber auch die EU sei immer noch nicht bereit, international strenge Haftungsregeln zu fordern, kritisiert van Aken.
Zum Weiterlesen:
Report: Gentechnische Verunreinigungen 2007, englisch (PDF, 1 MB)


