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Sonntag, 7. September 2008

Gentechnik: Keine Hoffnung für die Hungernden



Die "Hope-Stories" der Industrie


Um ihren Ruf aufzupolieren, lanciert die Gen-Industrie sogenannte "Hope Stories", die zeigen sollen, wie sehr sie sich um die Belange der Entwicklungsländer bemüht. Bekanntes Beispiel: der "Golden Rice". Der mit Vitamin A angereicherte Reis soll den Vitamin-Mangel beheben, durch den in Asien Kinder erblinden und jährlich bis zu einer Million Menschen sterben. Stolz verkündete die Gen-Lobby, ihr Reis könne 500 000 Kindern jährlich das Augenlicht retten. Später gestanden jedoch einige Beteiligte ein, dass die Werbung zu weit gegangen war.

Selbst Befürworter des Vitamin A-Reises bemängeln, die ökologischen und gesundheitlichen Risiken seien noch längst nicht geprüft. Die Manipulation greift zudem stark in den Stoffwechsel der Reispflanze ein: Es wurde ein Gen aus Narzissen und eines aus Bakterien eingefügt. Kontrolliert werden die neuen Gene durch zwei zusätzliche Schalter-Gene (Promotoren). Unklar ist, ob und welche ungewollten Nebeneffekte in der Pflanze entstehen.

Es ist nicht einmal geklärt, wie und warum letztlich das Provitamin A im Reiskorn entsteht: Die Forscher sind überrascht, dass die Pflanzen die entscheidenden Stoffwechselschritte tatsächlich vollziehen können, denn eigentlich bedarf es dazu noch weiterer Gene. Zudem hatten sie erwartet, dass die Reiskörner rot statt gelb gefärbt wären. Das war aber nicht der Fall. Es zeigt sich wieder, dass die Gentechniker die Folgen ihrer Eingriffe weder vollständig verstehen noch kontrollieren können.

Derzeit können die Firmen nicht vorhersagen, wo die Gene im Erbgut eingebaut werden und welche Wechselwirkungen zu erwarten sind. Zudem kann man nachträglich bislang nicht zuverlässig prüfen, ob die genveränderten Pflanzen sicher sind.

Hinzu kommt, dass der Vitamin A-Gehalt der Reiskörner viel zu gering ist, um Mangelerscheinungen zu heilen. Die Forscher wollen den Gehalt nun verdreifachen, aber sie gehen selbst nicht davon aus, dass der Reis dann den Bedarf deckt. Dies deckt sich mit den Zahlen von WHO und FAO, nach denen eine Provitamin A-Versorgung auf diese Weise kaum vorstellbar ist.


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