Und auch 2005 gibt es zumindest für den beliebten Rucola-Salat keine Entwarnung. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von STIFTUNG WARENTEST. Neben verschiedenen Pestiziden fand sich vor allem sehr viel Nitrat im Salat. Rucola speichert das Nitrat aus Düngemitteln besonders gut. Aus Nitrat kann Nitrit entstehen und daraus wiederum die Krebs erregenden Nitrosamine.
Blattsalate - Keine Empfehlung im Winter
Keiner der 21 Salate aus konventionellem Anbau war frei von nachweisbaren Pestizidrückständen. In 24 Prozent der Proben wurden die gesetzlichen Höchstmengen für Pestizide erreicht oder sogar überschritten - bis um das 36fache. Die Überschreitungen fanden sich in Ware aus Italien und Belgien. Die Pestizide Deltamethrin, Diphenyl, Diflubenzuron Ethofenprox und Iprodion, die zum Teil Krebs auslösen und das Hormonsystem beeinträchtigen können, wiesen zu hohe Werte auf. Ware mit Grenzwertüberschreitungen darf nach dem Lebensmittelrecht nicht verkauft werden.
Gerade im Winter werden Blattsalate oftmals im Treibhaus gezogen, besonders stark gespritzt und durch Überdüngung zum Wachstum angeregt. In 91 Prozent der geprüften Salate fanden sich zudem gesundheitlich besonders bedenkliche Giftcocktails mit bis zu acht Pestiziden gleichzeitig.
Nitrat
Die Nitratbelastung von Salat stammt in der Regel aus chemischen Stickstoff-Düngemitteln und kann bei Überdüngung stark ansteigen. Nitrat selbst ist zwar relativ ungiftig, es kann sich jedoch im menschlichen Verdauungssystem in Nitrit und in Nitrosamine umwandeln. Nitrosamine zählen zu den stärksten Krebs erzeugenden Stoffen und sind ein Risikofaktor für Magen- und Blasenkrebs. Gemüse ist, gefolgt von Fleisch, die Hauptaufnahmequelle von Nitrat, so dass hier besonders auf rückstandsarme Ware geachtet werden sollte. Zu hohe Nitratmengen in Lebensmitteln können zudem bei Säuglingen zu einer akuten Vergiftung führen ("Blausucht"). Für Salate gelten je nach Jahreszeit und Anbautyp verschiedene Nitratgrenzwerte .
EU-Grenzwerte für Nitrat in Salaten in mg Nitrat/kg:
Ernte vom 1. Oktober bis 31. März:
- unter Glas angebauter Salat 4 500
- Freilandsalat 4 000
Ernte vom 1. April bis 30. September:
- unter Glas angebauter Salat 3 500
- Freilandsalat 2 500
Diese Grenzwerte schätzt Greenpeace als zu hoch ein. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine tägliche Aufnahmemenge von 260 Milligramm Nitrat für eine 70 Kilogramm schwere Person. Diese Menge würde jedoch schon beim Verzehr von 58 Gramm eines Salates überschritten, der mit der im Winter (4500 mg/kg) zulässigen Höchstmenge belastet ist. Für unseren Test gilt: Nur Salat mit weniger als 2500 mg Nitrat/kg wird als gut bewertet. Rucola gilt zwar per Gesetz nicht als Salat, sondern als Kraut. Da er jedoch oft als Salat verzehrt wird, wenden wir auch hier die für Salate geltenden Grenzwerte an.
Behördenuntersuchungen: Belastungen in Salat steigen an
Das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat über mehrere Jahre hinweg grüne Salate untersucht. Die Befunde der Behörde zeigen einen deutlichen Anstieg der Pestizid-Höchstmengenüberschreitungen in den letzten vier Jahren - von 18 Prozent im Jahr 2001 auf 31 Prozent im Jahr 2004. Auch die Mehrfachrückstände stiegen von 54% der Proben in 2001 auf 64% der Proben im Jahr 2004 an. (Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 13/3062, 2004).
Greenpeace-Empfehlung
Bio-Salate sind in der Regel frei von Pestizidrückständen und die erste Wahl für die Verbraucher. Grundsätzlich sollten Blattsalate bevorzugt im Sommerhalbjahr gegessen werden.
Klicken Sie hier, damit Sie sich die Testergebnisse (PDF, 79 kb) anschauen können. Sie befinden sich am Ende des Dokuments.


