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Mittwoch, 7. Januar 2009

Kaufrausch



Klar ist es toll, sich mal was zu gönnen. Aber lesen Sie, was unser Konsumrausch neben dem fehlenden Geld im Portemonnaie tatsächlich an Ressourcen frisst. Keine Bange - es bleiben genügend Möglichkeiten, sein Geld "sinnvoll" auf den Kopf zu hauen!


Textil - der Stoff, aus dem die Albträume sind



Pro Kopf verbrauchen wir durchschnittlich 11 bis 15 Kilogramm Kleidung, mit anderen Textilien kommen wir auf 28 Kilogramm - das ist Weltspitze. Doch vor allem für die Produktion der "hautsympathischen" Baumwolle werden Unmengen an Ressourcen gebraucht. Dabei ist das "weiße Gold" mit einem Weltmarktpreis von nur ungefähr einem Euro pro Kilogramm extrem billig.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Baumwollplantagen zahlen für diesen niedrigen Preis mit einer 77-Stunden-Woche, einer miserablen Gesundheitsvorsorge und einer enormen Belastung durch Pestizide, die bei den empfindlichen Baumwollpflanzen massenhaft zum Einsatz kommen. Ein weiteres Problem liegt in dem enormen Wasserbedarf der Baumwollpflanzen: Um ein Kilogramm spinnfähige Faser herzustellen, braucht man 25.000 Liter Wasser! Das bedeutet für die ohnehin schon trockenen Anbaugebiete in China, Indien, den USA und Usbekistan, dass die Böden versalzen und der Grundwasserspiegel sinkt.

Und damit hört die Umweltbelastung noch nicht auf. Bis zu 20 Arbeitsgänge sind bis zum fertigen Kleidungsstück nötig: Bleichen, Färben, antimikrobielle Behandlung - es werden so allerhand Chemikalien benötigt, um knitterfreie, antistatische oder Scotchgard-Produkte herzustellen. 90 Prozent der Gifte spült das Abwasser weg, der Rest bleibt in der Faser.

Wussten Sie schon?

  • Jedes Jahr sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO 28.000 Menschen durch den massiven Pestizideinsatz im Baumwollanbau
  • Der Aralsee, einst das viertgrößte Binnengewässer der Erde, "versickert" in den anliegenden Baumwollplantagen. Deren Bewässerung hat bereits 70 (!) Prozent seines Volumens aufgebraucht, der Wasserspiegel ist seit 1960 um 13 Meter gesunken.
  • Chemierückstände in einem Baumwollshirt können ein Drittel des Gewichts ausmachen
  • Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau macht im Moment erst 0,1 Prozent der gesamten Baumwollproduktion aus
  • Leinen und Flachs belasten die Umwelt weniger als Baumwolle und Wolle. Viskose ist keineswegs so natürlich, wie manche Werbeslogans glauben machen wollen: Eine langwierige Behandlung mit Natronlauge und Schwefelsäure ist nötig, damit aus Baumwolle Viskose wird. Die umweltfreundlichste Kunstfaser ist Polyamid


Was tun?
  • Reduzieren Sie Ihren Durchsatz im Kleiderschrank! Kaufen Sie weniger und dafür bessere Qualität
  • Vertrauen Sie Ihrer Nase und kaufen Sie keine chemisch riechenden Textilien, denn die sind häufig mit Formaldehyd belastet
  • Bevorzugen Sie Kleidung, die nicht chemisch gereinigt werden muss
  • Zeigen Sie dem Handel, dass Sie auf umwelt- und sozialverträgliche Kleidung Wert legen. Vor allem Versandhäuser verkaufen Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau


Das kommt dabei raus:
Wenn Sie sich für langlebige Produkte entscheiden, sparen Sie langfristig eine Menge Geld und weichen einem veritablen Chemiecocktail aus. Mit jedem waschmaschinentauglichen Kleidungsstück sparen Sie zusätzlich Geld für die chemische Reinigung. Doch wichtiger ist vielleicht, was Sie Arbeiterinnen und Arbeitern und der Umwelt in den Herstellerländern ersparen: Für kbA-Baumwolle sind Pestizide und Entlaubungsmittel tabu. Manche Öko-Linien haben den Wasserbedarf beim Färben um die Hälfte reduziert und kommen ohne Chlorbleiche und ohne Farbstoffe auf Schwerbenzinbasis aus. Kinderarbeit ist verboten und die Bauern haben ein höheres Nettoeinkommen.

Zum Weiterlesen:


Alle Tipps zum Thema Konsum stammen aus Andreas Schlumbergers Buch "50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten, und wie Sie dabei Geld sparen".


 
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