Nahrung in der Globalisierungsfalle
Globalisierung - wie wir sie derzeit erleben - hat noch mehr Aspekte als Steuerflucht und Verflechtung der Finanzmärkte. Die wirtschaftsdominierte Globalisierung hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung. Eine Vielzahl von Umweltproblemen sind das Produkt global agierender Konzerne und globalisierter Märkte.
Beispiel Anbau und Verarbeitung:
Globalisierung unserer Lebensmittel bedeutet zum einen, dass Rohstoffe wie Obst und Gemüse dort produziert und verarbeitet werden, wo dies am billigsten ist. Dabei bestimmen auch geringe Umwelt- und Sicherheitsauflagen häufig den Produktions- und Verarbeitungsstandort. Also aufgepasst an der Gemüsetheke. Denn ob Spargel, Erbsen, Erdbeeren, Paprika oder Karotten – sie alle können eine weite Reise hinter sich haben.
Wer denkt, Schnittlauch sei ein eher bodenständiges und wenig exotisches Kraut, der irrt. Bevor er in unserem Salat oder unserer Suppe landet, kann er bereits mehr als 13.500 Kilometer weit gereist sein. Ein wahrer Globetrotter, der zum Beispiel von Europa nach Kenia geflogen wird, dort mit anderen Gemüsesorten verpackt und wieder in die Heimat verschickt wird.
In Kenia arbeiten überwiegend Frauen in den Verpackungsfabriken, für die unbezahlte Überstunden zum Arbeitsalltag gehören. Es gibt eine Sechs-Tage-Woche, wobei auch am siebten Tag gearbeitet werden muss, wenn die Bestellungen aus Europa dies erfordern.
Beispiel Lebensmittel:
Globalisierung bedeutet aber auch, dass einzelne Firmen versuchen, sich weltweit so viele Märkte wie möglich zu erschließen. So kann sich der Konsument aus dem Allgäu darauf verlassen, dass es seinen Lieblings-Schokoriegel Kitkat von Nestlé nicht nur im lokalen Supermarkt gibt. Ob im Badeurlaub in Brasilien, auf Trekking Tour in Nepal oder auf Geschäftsreise in Japan, Kitkat gibt es garantiert überall zu kaufen. Dabei ist dies nicht die Ausnahme, sondern wird immer mehr zur Regel.
So kann man inzwischen in der Verbotenen Stadt in China, Kaffee bei der amerikanischen Kaffee-Kette Starbucks trinken, oder findet in Budapest eher einen McDonalds, als ein Restaurant mit gutem Gulasch. Einige große Lebensmittelkonzerne beherrschen zunehmend die Weltmärkte und vereinheitlichen unsere Geschmäcker.
Ein Report der Wirtschaftsberater Cap Gemini Ernst and Young, der in 19 Ländern die Märkte analysierte, kommt zu dem Ergebnis, dass die Konzentration im Lebensmittelsektor weiter fortschreitet. Schon bald wird es nur noch vier bis fünf Supermarktketten geben, die weltweit operieren. Eine ähnliche Situation wird es für die Lebensmittelproduktion geben. Rund zehn Konzerne werden global je ungefähr 20 bis 25 Markenartikel vertreiben.


