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Sonntag, 12. Oktober 2008

Wer bedient den Bio-Boom?



Wird 2007 das Jahr des Bio-Booms? Sicher ist, dass auch in diesem Jahr die Nachfrage nach Bio-Produkten steigen wird. Doch im Bio-Sektor werden die Lebensmittel knapp. Laut Professor Ulrich Hamm, Fachgebietsleiter für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel, sei Bio-Hafer europaweit bereits ausverkauft. Auch Eier seien in Deutschland und Frankreich nicht mehr zu haben und bei Kartoffeln wisse niemand, wie die Verbraucher ab Mitte Januar zu bedienen seien.


Der Handel hat zunehmend Schwierigkeiten der großen Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten gerecht zu werden. So würden die Märkte ihre Regale gerne mit mehr Bio-Gemüse sowie Geflügel- und Schweinefleisch aus ökologischer Tierhaltung füllen. Doch woher nehmen? Argentinien, Chile, Kanada oder Südafrika steht nicht selten auf dem Etikett und weist die Bio-Ware als weit gereist aus. Doch auch das Ausland kann nicht so viel liefern, wie nachgefragt wird.

„Politik und Handelsketten sind selber Schuld an der derzeitigen Situation. Denn die Bio-Bauern haben nicht von der gestiegenen Nachfrage profitieren können, sagt Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. „Die großen Handelsketten arbeiten auch im Biobereich mit harten Bandagen und haben die Erzeugerpreise bisher gedrückt. Die Agrarpolitiker haben gleichzeitig Beihilfen für Bio-Bauern zusammengestrichen, daher fehlten finanzielle Anreize zur Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise.“

Bio-Trend wirkt langfristig
Das könnte sich in diesem Jahr bei zunehmender Knappheit durchaus ändern. Im Jahresbericht der zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) geht Markus Rippin von anziehenden Preisen im Bio-Sektor aus. Auch Professor Ulrich Hamm empfiehlt den Bauern auf Bio zu setzen. Selbst wenn ihre Produkte erst nach drei Jahren das Bio-Siegel tragen dürfen. Der Trend zu Öko sei langfristig. Woher der Trend, auf Bio zu setzen, kommt? Hamm beobachtet einen Wandel im Bewusstsein der Konsumenten. Zentrale Rollen würden dabei der Klimawandel sowie die Ablehnung der Gentechnik spielen. 70 Prozent der Verbraucher in Deutschland wollen keine Gentechnik im Essen.

Dass Verbraucher wissen wollen, was sie essen, kann auch Greenpeace bestätigen. Einkaufsratgeber wie "Essen ohne Gentechnik" und "Pestizide aus dem Supermarkt" gingen weg wie warme Semmeln. Die Wirkung bekommen auch Supermarktketten wie LIDL zu spüren. Der Konzernchef Klaus Gehrig kommentierte die Umsatzeinbußen nach der Veröffentlichung des Ratgebers im November 2005 mit den Worten: "Das hat uns wehgetan." LIDL und real hatten bei der großen Greenpeace-Untersuchung von Supermarkt-Obst und -Gemüse besonders schlecht abgeschnitten. LIDL hat dazugelernt: Seit Mitte 2006 bieten die Filialen Fair-Trade- und Bio-Produkte an.

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